Naturheilkräuter nach der Lehre von hildegard-von-bingen auf einem Tisch

Hildegards Erbe: Comeback einer Jahrhunderte alten Naturheilkunde

Hildegard von Bingen – ein Name, der in der heutigen Zeit mit Naturheilkunde und gesunder Ernährung verbunden wird. Doch wer war diese Frau eigentlich und sind ihre Erkenntnisse tatsächlich mit der heutigen Lebensweise zu vereinbaren? Und warum tragen so viele Lebensmittel ihren Namen?

Vom Müsli bis zum Sirup, von der Suppe bis zu den Keksen: Die Drogerien und Reformhäuser haben mittlerweile ein beträchtliches Sortiment an Lebensmittel, deren Wirkweise auf die Erkenntnisse von Hildegard von Bingen zurückgehen sollen. Die Faszination, die von dieser Heiligen der römisch-katholischen Kirche und Gelehrten ausgeht, ist heute – mehr als 800 Jahre nach ihrem Tod – größer denn je. Sie war eine berühmte Predigerin und verfasste Werke zu Themen wie Religion und Musik, Ethik oder Kosmologie und Medizin. Der Begriff „Hildegard-Medizin“ tauchte allerdings erst vor ein paar Jahrzehnten auf.

Parallelen zur modernen Ernährungslehre

Hildegard von Bingen soll mehrere natur- und heilkundliche Werke verfasst haben. Ihre heute sehr große Bedeutung in diesem Bereich ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und die Wirkweise von Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der damaligen Volksmedizin zusammenbrachte.

Dabei sieht die Ernährungsberaterin Erika Mittergeber viele Parallelen der überlieferten Lehre von Hildegard von Bingen und modernen Erkenntnissen: „Viele ihrer Gesundheitsempfehlungen teile auch ich. Zum Beispiel, dass die Mahlzeiten saisonal angepasst werden sollen, da der Körper je nach Jahreszeit unterschiedliche Bedürfnisse hat. Auch dass beim Essen nicht nur die Inhaltsstoffe zählen, sondern auch wie und wo wir essen und ob wir das Essen bewusst genießen. Genauso wie der maßvolle Umgang mit Nahrung: Denn auch Hildegard von Bingen sagte schon, man solle genug essen, aber nicht zu viel. Man solle auch nicht ständig zwischendurch irgendetwas knabbern, so wie das heute oft passiert, sondern sich lieber auf Frühstück, Mittag- und Abendessen beschränken.“

Warmer Frühstücksbrei

Die Gelehrte aus dem 12. Jahrhundert wusste viel über Pflanzen, Kräuter und Gewürze. Dabei waren ihr – im Gegensatz zur heutigen Ernährungswissenschaft – die Inhaltsstoffe der einzelnen Nahrungsmittel unbekannt und einerlei. Und doch ist ihre Anwendung in der heutigen Kräutermedizin eine ähnliche: „Hildegard von Bingen war zum Beispiel eine Verfechterin des Quendel. Das ist unser heutiger Thymian, der ja tatsächlich dank seiner antibakteriellen Wirkung oft bei Husten und Magen-Darm-Erkrankungen empfohlen wird. Man kann also sagen, am Wissen der Hildegard von Bingen ist durchaus etwas dran“, erklärt Mittergeber.

„Ein warmer Dinkelbrei kann eine gute Alternative zum kalten Frühstücksbrot sein, das viele hierzulande bevorzugen. Diese Produkte gibt es in den Drogeriefachgeschäften zu kaufen.“

– Diätologin Erika Mittergeber MAS

Rezepte sind von Hildegard von Bingen zwar nicht überliefert, aber ihre Vorliebe für diverse Nahrungsmittel und Kräuter und deren Anwendung bei bestimmten Leiden. Auf Basis dessen finden sich heute im gut sortierten Drogeriefachhandel viele Produkte, die auf ihr Wissen zurückgehen, vor allem auch Tee- und Würzmischungen. Das gut ausgebildete Personal kann bei Fragen zu den Inhaltsstoffen und den Wirkweisen laut Hildegard von Bingen beraten.

Bildquelle: iStock.com/Madeleine_Steinbach


Über Erika Mittergeber MAS

Erika Mittergeber ist Diätologin und weiß aus eigener Erfahrung, dass der Alltag eine gesunde Ernährung oft schwer macht. Daher legt sie bei ihrer Arbeit größten Wert darauf, dass sich ihre Beratung bestmöglich im Alltag umsetzen lässt. Ihr ist es besonders wichtig, den Menschen als Ganzes zu sehen, und nicht nur sein Ernährungsproblem.